Braucht man einen Steuerberater als Freiberufler?

Braucht man einen Steuerberater als Freiberufler?

 

Spätestens, wenn ein Freiberufler der Kleinunternehmerregelung entwächst, stellt sich schnell die Fragen: Steuerberater ja oder nein? Lohnt sich ein Steuerberater für Freiberufler wirklich oder rechnet es sich eher, seine Buchhaltung selber zu machen?

 

Antworten darauf, inwieweit ein Steuerberater sich für dich lohnt, wie so eine Zusammenarbeit in der Praxis aussieht und wie du den Steuerberater deines Vertrauens überhaupt finden kannst, findest du genau in diesem Beitrag:

In diesem Blogpost erwartet dich:

 

 

Wann du als Freiberufler einen Steuerberater brauchst

Die Vor- und Nachteile der Zusammenarbeit mit einem Steuerberater

Welche Aufgaben übernimmt ein Steuerberater für Freiberufler überhaupt?

Wie viel kostet ein Steuerberater für Freiberufler?

Wie den passenden Steuerberater finden?

 

 

Wann du als Freiberufler einen Steuerberater brauchst

 

Hier gehen die Meinungen stark auseinander. Während die einen von Anfang an alles selber erledigen, sich in das Thema Selbstständigkeit und Steuern einlesen und sich die Kosten für einen Steuerberater sparen, geben andere das oft lästige Finanzthema lieber direkt an einen Experten ab – und sparen Zeit

 

Bei einem Für oder Wider bzgl. Steuerberater gibt es kein richtig oder falsch. Es kommt auf deine Prioritäten an: Willst du Geld sparen oder Zeit?

 

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Steuerberater spielen einige Aspekte eine Rolle. Oft hängt es davon ab, wie gut einem das Thema Finanzen liegt, wie geduldig man ist und inwieweit die Bereitschaft vorhanden ist, sich ein wenig in die Thematik einzuarbeiten.

Ab einer gewissen Business-Größe wird es aber durchaus sinnvoll, einen Experten zu engagieren. Besonders, wenn du eigene Mitarbeiter anstellst oder deine Finanzen so komplex werden, dass sie dich zu viel Zeit kosten. Das sind Stunden, die dir keiner bezahlt. Bleibst du eine one-(wo)men-show in deinem Gebiet, dann ist die Bearbeitung deiner Buchhaltung ganz einfach Geschmackssache.

 

 

Die Vor- und Nachteile der Zusammenarbeit mit einem Steuerberater 

 

Die größten Vorteile bei der Zusammenarbeit mit einem Steuerberater liegen auf der Hand:

 

 

1.) Du sparst Zeit

 

Der große Vorteile bei der Zusammenarbeit mit einem Steuerbüro besteht darin, dass du deutlich Zeit sparst. Du brauchst dich in nichts einzulesen und nichts zu rechnen. Alles was du tun musst, ist dem Steuerberater deines Vertrauens einmal im Monat (i.d.R. bis zum 15.) alle deine Eingangs- und Ausgangsrechnungen des Vormonats sowie den dazugehörigen Kontoauszug deines Geschäftskontos zukommen zu lassen – den Rest erledigt er oder sie.

 

 

2.) Du sparst Nerven

 

Zahlenchaos, unübersichtliche Formulare und nervige Excel-Tabellen gehören der Vergangenheit an. Ich weiß ja nicht, wie eure Steuererklärung immer so läuft aber mir graut es regelmäßig davor. Beziehungsweise graute. Abgesehen von deiner monatlichen Deadline kannst du die Themen Buchhaltung, Steuerklärung & Co. aus deinen Gedanken streichen und dich schöneren Dingen widmen, wie zum Beispiel einem Zahnarztbesuch 😉 

 

 

3.) Du kannst dir sicher sein, dass alles korrekt läuft

 

Dein Steuerberater behält den Überblick für dich. Er oder sie stellt sicher, dass hinsichtlich deiner Pflichten gegenüber dem Finanzamt alles korrekt läuft, alles zu deinen Gunsten berechnet wird und du keine Abgabefristen verpasst. Regelst du deine Zahlungen an den Steuerberater und das Finanzamt auch noch per Lastschrift, brauchst du dich wirklich um gar nichts mehr zu kümmern. Ansonsten sind die Zahlungsfristen natürlich von dir einzuhalten.

 

Wie alles im Leben hat aber auch die Beauftragung eines Steuerberaters Nachteile, die du dir sparst, wenn du deine Buchhaltung selber erledigst:

 

 

1.) Ein Steuerberater kostet Geld

 

Der Service eines Steuerberaters kostet natürlich Geld, eine Ressource, die du sparen kannst, wenn du deine Finanzen selbst in die Hand nimmst. Dem Thema Kosten eines Steuerberaters habe ich mich ein Stück weiter unten im Beitrag genauer gewidmet. 

 

 

2.) Du behältst jede Verantwortung

 

Ja, dein Steuerberater kommuniziert für dich mit dem Finanzamt. Für den Erfolg deines Geschäfts bleibst aber weiterhin du selber verantwortlich. Du schreibst deine Ausgangsrechnungen, du bezahlst deine Eingangsrechnungen, du verantwortest Mahnungen, Verluste und trägst Sorge für deinen geschäftlichen Erfolg. Dein Steuerberater berät dich, wie es der Name schon sagt, steuerlich. Er oder sie errechnet deinen erwirtschafteten Gewinn oder Verlust, die Höhe deiner Abgaben an das Finanzamt und erledigt den diesbezüglichen Papierkram. Die Verantwortung bleibt aber bei dir. 

 

 

3.) Auch bei Steuerberatern gibt es schwarze Schafe

 

Leider gibt es auch hier Exemplare, die nicht damit zufrieden sind, sich deinen Finanzen wohlgesinnt anzunehmen und dir bei steuerlichen Fragen zu helfen. Manche haben es von Anfang an darauf abgesehen, dir zusätzlich Produkte zu verkaufen weil sie dadurch Provisionen des Herstellers kassieren. Ein klassisches Beispiel ist hier der Zusatzverkauf von Buchhaltungssoftware. 

 

Du brauchst als Freiberufler eigentlich keine kostenpflichtige Buchhaltungssoftware, wenn Du mit einem Steuerberater zusammenarbeitest. Manche Steuerberater senken aber ihr monatliches Honorar, wenn du ihnen Arbeit durch die Nutzung einer solchen Software abnimmst.

 

 

Welche Aufgaben übernimmt ein Steuerberater für Freiberufler?

 

Die gute Nachricht ist: Das hast du in der Hand. Du kannst alle deine buchhalterischen Aufgaben abgeben oder nur Teilaspekte, wie zum Beispiel die Steuererklärung. 

 

Hier ein Überblick zu den Aufgaben, die du als Freiberufler an einen Steuerberater abgeben kannst:

 

– Anmeldung der selbstständigen Tätigkeit beim Finanzamt/Gewerbeamt

– Kommunikation mit dem Finanzamt

– steuerliche Beratung bzgl. deiner Arbeit

– monatliche Umsatzsteuervoranmeldung

– jährliche Einkommenssteuererklärung

– jährliche Umsatzsteuererklärung

– jährliche Gewerbesteuererklärung

– jährliche Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR)

– Jahresabschluss

– laufende Finanzbuchhaltung

– laufende Lohnbuchhaltung

– Bilanz

 

Wichtig: Für deine Ausgangs- und Eingangsrechnung, Mahnungen, Gewinne und Verluste hast du nach wie vor selbst Sorge zu tragen. Auch die Zahlungen an das Finanzamt tätigst du selbst. 

 

 

Was kostet ein Steuerberater für Freiberufler?

 

Eine Frage, auf die man online oft nur sehr unbefriedigende bzw. unzureichende Antworten erhält. Der Betrag variiert einfach sehr. Er hängt von so vielen Faktoren ab, wie den Aufgaben, die du abgeben möchtest, welchen Bedarf an Beratung du mitbringst oder welches Bruttoeinkommen du erzielst.

 

Wenn du dich zu den einzelnen Faktoren, die das Honorar eines Steuerberaters bestimmen genauer einlesen möchtest, empfehle ich diesen Beitrag.

 

Als Freiberufler kann man die Gebühren mit einem Steuerberater übrigens gut verhandeln und niedrige Pauschalen vereinbaren, wenn der Aufwand für den Steuerberater vergleichsweise niedrig ist. 

 

Wenn dein Steuerberater etwas “Außerplanmäßiges” für dich erledigen soll, fallen in der Regel zusätzliche Kosten an. 

 

 

Grundsätzliches zur Vergütung eines Steuerberaters:

 

Der Beruf des Steuerberaters ist in Deutschland stark reguliert. Dementsprechend kann ein Steuerberater nicht einfach einen beliebigen Honorarsatz erheben. Das Honorar wird in Deutschland im Rahmen der Steuerberater-Vergütungsverordnung (StBVV) festgelegt. Diese gibt Mindest- und Höchstpreise vor, wie viel für bestimmte Dienste verlangt werden darf. Natürlich gibt es einen gewissen Spielraum für Steuerberater, wirklich abgewichen darf aber nur im Rahmen einer gesonderten Vereinbarung werden.

 

Wie den passenden Steuerberater als Freiberufler finden?

 

Augen auf bei der Beraterwahl: Dein Steuerberater muss zu dir und deinem Business passen. Wenn du dich als Freelancer für einen Steuerberater entscheidest, dann wähle weise. Dieser Mensch hat den totalen Einblick in deine geschäftlichen Finanzen. Vielleicht einen tieferen Einblick, als du ihn je haben wirst. Das muss passen, du musst ein gutes Gefühl haben.

 

In 4 Schritten zum Steuerberater deines Vertrauens:

 

Schritt 1: Frage andere Selbstständige nach Empfehlungen,  persönlich oder auch online z.B. über Freelancer-Gruppen auf Facebook.

 

Schritt 2: Sieh dir den Internetauftritt der vorgeschlagenen Kanzleien an. Achte dabei auf die passende Spezialisierung des Steuerberaters.

 

Schritt 3: Ruf an und vereinbare ein kostenloses Kennenlerngespräch vor Ort.

 

Schritt 4: Hol dir beim Kennenlernen alle Infos, die du brauchst und hör auf dein Bauchgefühl.

 

Tipp: Stelle sicher, dass dein Steuerberater Freund der Digitalisierung ist. Das ist vor allem wichtig, wenn du ortsunabhängig arbeitest. Es gibt tatsächlich noch Zeitgenossen, die jeden Monat alle Originalbelege von dir sortiert vorbeigebracht haben wollen. Davon möchte ich abraten. 

 

 


 

 

So, nun zu dir! Wie regelst du deine Buchhaltung? Spielst auch du mit dem Gedanken an einen Steuerberater? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Berichte uns davon in den Kommentaren!